 | Am Frühstückstisch... |
| Landjugend als Trauma |
Meinen Härte-Test habe ich gestern Abend nach dem dritten Film abgebrochen. Die Ankündigung für Vers Mathilde klang mir dann doch zu anstrengend ("ein Porträt der Choreografin Mathilde Monnier, in deren Arbeit und Persönlichkeit die Regisseurin eigene Wesenszüge entdeckt..." Hä?!)
Durchfahrtsland von der deutschen Regisseurin Alexandra Sell wird also mein letzter Film. Der Film läuft in der Sektion
Forum und dokumentiert das Leben einiger Menschen in den Dörfern zwischen Köln und Bonn. Alexandra Sell hat ihre Protagonisten auf Spielmannzugssitzungen, zu Junggesellenvereinsfeiern, zum Maibaumschlagen und auf Veranstaltungen, die auf Dörfern sonst noch so anfallen, begleitet. Mehr zum Inhalt: siehe unten bei Marcus, den ich zufällig im Kino treffe.
Autsch! Ich bin mit Henning im Kino, der aus der selben norddeutschen Kleinstadt kommt wie ich, und wir zucken an ziemlich vielen Stellen zusammen und rutschen immer tiefer in unsere Sitze. Auch der Mann auf meiner rechten Seite hat offensichtlich eine traumatisierende Landjugend hinter sich. "Oh, nein. Das ist ja schrecklich", flüstert er einmal und erntet rundum Gelächter. Reitverein, Sportverein, Kinderchor: Mir kommen die Geschichten aus Durchfahrtsland auch fürchterlich bekannt vor. Den Spielmannszug haben mir meine Eltern zum Glück verboten. Mein befangenes Urteil: Eine halbe Stunde weniger hätte es auch getan und man muss Durchfahrtsland nicht im Kino gucken. Fernsehen tut's auch und da wäre er sicher brilliant.